Mit 21 Jahren Start-Up Gründer, Politiker und Investor

Heute begrüßen wir Tim vom Erfolgsgeschichten Podcast. Tim ist Investor, politisch aktiv und Start-Up Gründer.

Interview mit Tim Senger vom Erfolgsgeschichten Podcast

Mit 21 hat Tim Senger schon mehr ausprobiert als viele in zehn Jahren. Er ist dualer Student bei der Hannover Rück und steigt dort nach dem Studium als Beteiligungsmanager ein. Nebenbei hat er seit der Schulzeit Webprojekte aufgebaut und wieder verkauft, engagiert sich lokalpolitisch bei den Jungen Liberalen und der FDP, investiert seit der Oberstufe an der Börse und betreibt seit Kurzem den Erfolgsgeschichten Podcast *. Im Interview reden wir über all das, vor allem aber über sein Geld, seine Strategie und die Fehler, aus denen er gelernt hat.

Als Politiker sieht er sich ausdrücklich nicht, auch wenn er ein bisschen Lokalpolitik macht. Er ist beigetreten, weil er es zu einfach findet, sich nur über das aufzuregen, was andere falsch machen und dann selbst nichts zu tun. Diese Haltung zieht sich durch das ganze Gespräch. Lieber machen als meckern.

Vom Spielemagazin zum verkauften Online-Business

Tims Weg ins Netz begann harmlos. Früher lud er aus Spaß Videos von Computerspielen auf YouTube hoch und wurde von einem kleinen Hobby-Spielemagazin gefragt, ob er nicht mitschreiben wolle. Bezahlung gab es keine, dafür Spiele umsonst und für einen Schüler war das schon cool. Vor allem lernte er dabei, wie eine Website überhaupt aufgebaut ist.

Daraus wurde mehr. Mit einem Schulfreund gründete er ein eigenes eSport-Magazin, das sie nach nicht einmal einem Jahr wieder verkauften und dabei ihre Kosten zurückholten. Das nächste Magazin war breiter aufgestellt, fast ein kleines Nachrichtenportal über alles Mögliche. Geld verdiente er damit anfangs kaum, dafür kam er als akkreditierte Presse auf Messen, Konzerte und Events, bekam Bücher für Rezensionen und sparte sich so den Eintritt. Gerade in der Schulzeit ein netter Nebeneffekt.

Irgendwann stieß er auf Affiliate-Marketing, also auf Provisions-Links, über die der Vermittler bei einem Kauf etwas bekommt. Auf einem allgemeinen Magazin lässt sich damit schwer etwas anfangen, also baute er gezielte Nischenseiten. Am besten lief ein YouTuber-Shop, auf dem er erklärte, welche Lampen und welche Technik man für gute Videos braucht. Über die Links kauften die Leute genau diese Produkte und er verdiente sich ein nettes Taschengeld. Dazu kamen gesponserte Artikel und Aufträge, etwa eine Website für die Ärztin im Bekanntenkreis.

Verkauft hat er seine Seiten am Ende, weil ihm die Lust am Schreiben abhandenkam und eine Website nun einmal ständig frischen Text braucht. Im Nachhinein war das ein guter Zeitpunkt. Kurz darauf kürzte Amazon, über das er vieles monetarisiert hatte, in den USA die Provisionen drastisch und solche Schnitte kommen mit etwas Verzögerung meist auch nach Europa. Seine Seiten wären über Nacht deutlich weniger wert gewesen.

Wie verkauft man eine Website?

Diese Frage hatte ich mir nie gestellt, deshalb habe ich nachgehakt. Der einfachste Weg läuft laut Tim über Facebook-Gruppen wie Projekt An- und Verkauf, wo Leute Seiten anbieten oder gezielt suchen. Man einigt sich, schreibt einen einfachen Vertrag und wickelt es direkt ab. Für größere Projekte gibt es Plattformen wie Flippa oder auch eBay, dort fällt allerdings eine spürbare Provision an, bei eBay rund zehn Prozent.

Den Preis bildet meist ein Multiplikator auf den Jahresgewinn, grob das Ein- bis Zweifache, weil bei einer Website kaum laufende Kosten anfallen und der Umsatz fast dem Gewinn entspricht. Eine Sache hat ihn dabei selbst überrascht. Viele Käufer prüften kaum, was sie da kauften, einige wollten nicht einmal ein Telefonat. Sein Tipp aus dem beruflichen Blick auf Unternehmenskäufe: vorher genau hinschauen, ruhig eine Bildschirmübertragung machen und sich durch die Seite klicken lassen, damit man keine Luft kauft.

Geld für die großen Ideen: KfW, Förderbanken und Business Angels

Tim denkt in größeren Dimensionen. Zwei Projekte stehen im frühen Stadium, ein Startup im Finanzbereich und eine Idee in der Gastronomie. Eigenes Kapital reicht dafür nicht und seine Aktien will er ungern verkaufen. Eine Sache hat er früh begriffen, mit klassischem Investieren wird man zwar vermögend, den großen Unterschied macht aber der Hebel. Selbst Warren Buffett hätte ohne das praktisch zinsfreie Versicherungskapital nie solche Renditen erzielt. Also braucht es für echtes Wachstum fast immer Kapital von außen.

Für eine bodenständige, typisch deutsche Idee wie die Gastronomie nennt er den klassischen Weg über die KfW und die Förderbanken der Länder, etwa die NBank in Niedersachsen oder die Investitionsbank Berlin. Dort gibt es günstige Förderkredite, teils mit tilgungsfreien Anfangsjahren, gegen einen sauber ausgearbeiteten Businessplan mit Finanzplanung. Genau das wollen diese Banken sehen.

Für die abgefahrenere Fintech-Idee, die richtig gut laufen oder völlig danebengehen kann, führt der Weg über Wagniskapital. Erst die Business Angels, vermögende Privatpersonen, an die man über die Netzwerke der Förderbanken und über Veranstaltungen herankommt. Danach die Venture-Capital-Fonds, hinter denen institutionelle Geldgeber stehen. Wichtiger als der Businessplan ist am Ende der Pitch. Und selbst eine Absage bringt oft wertvolle Tipps für den nächsten Anlauf. Sein Fazit dazu mag ich: Wer sich keine hohen Ziele setzt, bleibt automatisch bei den kleinen hängen.

Wie Tim zur Börse kam

Den ersten Funken legte ausgerechnet Dagobert Duck. Tim fand die Vorstellung vom prall gefüllten Geldspeicher als Kind großartig und fragte irgendwann seinen Vater, was Aktien eigentlich sind. Der hatte am Neuen Markt ein bisschen gezockt, eher spekulativ als strategisch, konnte es ihm aber grob erklären.

Richtig konkret wurde es in der Oberstufe. Fürs Wirtschaftspraktikum ging Tim in die Commerzbank-Filiale im Nachbardorf, fand die Leute nett und erfuhr von einem Starter-Depot für junge Leute zu damals sehr guten Konditionen, das es heute leider nicht mehr gibt. In der Woche danach eröffnete er sein erstes Depot. Weil er noch keine 18 war, durfte er offiziell nicht handeln und arbeitete mit den Zugangsdaten seines Vaters. Seine Mutter war nie überzeugt und ist es bis heute nicht, sein Vater vertraute ihm und ließ ihn machen. Zum Austauschen hatte er damals niemanden, das kam erst später über das Internet.

Broker, Free Trades und ein Haufen Mini-Aktien

Sein erstes Depot bei der Commerzbank * hat er bis heute, weil es kostenlos ist. Die Konditionen sind aber schlechter geworden. Früher zahlte er bei kleinen Beträgen nur eine prozentuale Gebühr und konnte über Tradegate einzelne Aktien für ein paar Euro kaufen, ohne dass relevante Kosten anfielen. So streute er früh breit. Dann führte die Bank eine Mindestgebühr ein und auf einmal saß er auf einem Haufen kleinteiliger Positionen. Den Großteil davon überträgt er inzwischen zu Trade Republic und trennt sich von den Resten, die er nicht weiter bespart, weil die Abrechnung sonst zu aufwendig wird.

Eine echte Orderprovision hat er trotzdem fast nie gezahlt. Bei der comdirect bekam er 25 Free Trades, bei der Targobank zehn und durch solche Aktionen war er immer abgedeckt. Sein Tipp daraus ist simpel: bei Brokern die Augen offen halten, denn mit den richtigen Bonus-Aktionen lässt sich eine Menge sparen. Wenn du selbst ein günstiges Depot suchst, findest du eine Übersicht in meinem Depot-Vergleich und ein konkretes Beispiel mit Bonus ist das Consorsbank-Depot *.

Was in Tims Depot liegt

Tim ist hauptsächlich in Aktien investiert, dazu ein Teil in ETFs. Den ETF-Bestand hat er aufgebaut, als ihm die kleinteiligen Einzelkäufe zu mühsam wurden und er erhöht ihn weiter über die vermögenswirksamen Leistungen seines Arbeitgebers, die via finvesto in einen MSCI World wandern.

Bei den Einzelaktien sind es eher bekannte Namen. British American Tobacco hat er über Mitarbeiteraktien mit Abschlag bekommen, Bayer nach dem starken Fall kräftig gekauft, Fresenius im Corona-Crash bei rund 25 Euro eingesammelt, dazu Broadcom, Unilever und CVS Health. Auffällig ist der hohe Anteil an P2P-Krediten, rund 30 Prozent. Die relevanten Beträge liegen bei Mintos * und Bondora *, kleinere bei Viainvest und Swaper. Sein Geld bei Grupeer hat er nach der Aussetzung der Plattform innerlich abgeschrieben. Dazu kommen ein paar Spielbeträge bei Bergfürst sowie Startup-Beteiligungen über Companisto und Seedmatch, die er von Anfang an als hochriskant verbucht hat. Eines ist pleitegegangen, die anderen laufen, bisher unterm Strich positiv.

Tims Value-Strategie

Tim folgt im Kern einer Value-Strategie. Er kauft zu, wenn er ein Unternehmen für unterbewertet hält. British American Tobacco ist sein Lehrstück: Umsatz und Gewinn steigen, der Kurs fällt trotzdem, weil immer mehr institutionelle Investoren in nachhaltige Werte umschichten. Ihn stört das wenig, im Gegenteil, es macht die Aktie für ihn günstiger. Solange die Dividende fließt und er einen langen Atem hat, sammelt er sie ein.

Bei Bayer ist für ihn die volle Wucht des Monsanto-Skandals eingepreist, langfristig glaubt er an das Geschäft, weil eine wachsende Weltbevölkerung Nahrung und damit die Produkte braucht. Fresenius wurde in der Krise aus seiner Sicht zu Unrecht abgestraft, weil verschobene Operationen ja später nachgeholt werden. Er hat zugegriffen, als auch die eigenen Vorstände kauften, für ihn ein gutes Zeichen. Wo das operative Geschäft dauerhaft wegbricht, wie er es bei Airlines sieht, ist eine niedrige Bewertung dagegen kein Kaufgrund.

Der Corona-Crash und ein Fehler mit der eigenen Strategie

Den Absturz selbst hat Tim erstaunlich gelassen genommen. Er schaut nur an guten Börsentagen ins Depot, an schlechten lässt er es zu. Wer langfristig hält, sagt er, schaut sich schließlich auch bei einer Immobilie nicht täglich den Wert an.

Fertiggemacht hat ihn etwas anderes, die verpassten Einkaufschancen. Er hatte sich für den ersten Rutsch eine Nachkauf-Strategie über 5000 Euro zurechtgelegt, dann aber nur rund die Hälfte investiert und den Rest gezögert, als die Kurse schon wieder stiegen. Damit hat er gegen seine eigene Strategie verstoßen und genau das ärgert ihn. Beim nächsten Mal will er knallhart Limits setzen, die entweder auslösen oder eben nicht. Lieber so herum, als aus Panik im Tief zu verkaufen.

Wie er Aktien analysiert und welche Tools er nutzt

Seine Analyse ist eine Mischung aus Kennzahlen und Bauchgefühl. Wachstumswerte wie Shopify lassen sich schwer in klassische Zahlen pressen, da schaut er eher auf den Cashflow, so wie es früher bei Amazon sinnvoll war. Bei normalen Werten vergleicht er das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Cashflow-Verhältnis mit dem historischen Durchschnitt und fragt sich, warum eine Aktie gerade so günstig ist. Läuft das Geschäft weiter, ist das für ihn ein Kauf. Bricht es strukturell weg, ein klares Nein.

Als Werkzeuge nennt er den Aktienfinder für die Kennzahlen und ihre Stabilität, Portfolio Performance für die Verwaltung des eigenen Depots, Morningstar für die Datenqualität und die comdirect, weil ihm die Kursansicht dort übersichtlich und nicht mit Werbung zugepflastert erscheint. Inspiration holt er sich in Facebook-Gruppen und schlicht im Alltag. Begegnet ihm ein Produkt, das er gut findet, googelt er, wer dahintersteckt und ob das Unternehmen börsennotiert ist.

Sein größter Fehler und das P2P-Learning

Einen großen Fehler hat Tim nach eigener Aussage nicht gemacht, eher kleine. Früh legte er sich einen ETF auf langlaufende Euro-Staatsanleihen ins Depot, der den MSCI World geschlagen hatte, weil die fallenden Zinsen die Kurse trieben. Hätte er das Produkt verstanden, wäre ihm klar gewesen, dass die Zinsen kaum noch weiter fallen können. Er hat die kleine Position wieder verkauft.

Schwerer wog Grupeer. Daraus hat er ein festes Kriterium gemacht: Er investiert nur noch in P2P-Plattformen, deren Abschlüsse von einem relevanten Wirtschaftsprüfer geprüft werden, idealerweise einer der großen Gesellschaften. Grupeer hatte keine geprüften Abschlüsse veröffentlicht, was es leicht machte, Geld in Scheinprojekte zu verschieben. Auf die kommende EU-Regulierung mit einer Lizenzpflicht setzt er einige Hoffnung.

Bücher, die ihn geprägt haben

Tim hat viel gelesen und ist später auf Hörbücher und Podcasts umgestiegen. Den größten Eindruck hinterließ Souverän investieren von Gerd Kommer, weil es ein Gefühl dafür gibt, was an der Börse zählt, samt der Theorien wie Effizienzmarkt und Portfoliotheorie. Wer aktiv investiert, sollte sich bewusst sein, gegen wen er da antritt. Für die Aktienauswahl empfiehlt er Peter Lynch mit Der Börse einen Schritt voraus, locker geschrieben und auf den Punkt. Und über das Finanzielle hinaus nennt er Die 4-Stunden-Woche von Tim Ferriss, das ihn früh aufs Pareto-Prinzip gebracht hat, 80 Prozent Ergebnis mit 20 Prozent Aufwand. Dieses Prinzip hat er sogar in ein eigenes Buch übersetzt, eine Anleitung zum guten Abitur mit möglichst wenig Aufwand. Meine eigenen Lesetipps findest du in meiner Finanz-Bibliothek.

Sein Schlusswort passt zu allem davor. Setz dir hohe Ziele und geh vor allem in die Umsetzung, denn mit kleinen Zielen wird daraus nichts.

Tims Gespräche mit anderen Machern hörst du im Erfolgsgeschichten Podcast *. Mehr Interviews dieser Reihe findest du in den Investoren-Interviews.

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