Maximilian Königs Börsen-Strategie: Rendite nach Regelwerk

Maximilian König investiert nach selbst gebauten Scoring-Modellen statt nach Bauchgefühl. Im Interview erzählt er von seinem Regelwerk, der Outperformance und…

Ein Mann, der seinem eigenen Bauchgefühl nicht traut

Es gibt diese Sorte Investor, die jeden Morgen ins Depot schaut und dabei ein bisschen Magenschmerzen bekommt. Soll ich? Soll ich nicht? Ist der Kurs zu hoch, ist er zu tief, hätte ich gestern verkaufen sollen? Maximilian König kennt diese Magenschmerzen sehr gut und er hat irgendwann beschlossen, sie loszuwerden. Nicht durch Meditation, nicht durch Gelassenheit, sondern durch ein Regelwerk, das ihm die Entscheidung abnimmt.

Maximilian ist 28, sitzt seit seinem fünfzehnten Lebensjahr an der Börse und macht heute nichts anderes mehr, als Investmentstrategien zu entwickeln und zu testen. Vollzeit-Investor, so nennt er sich und er sagt das ohne das große Pathos, das bei solchen Sätzen oft mitschwingt. Im vergangenen Jahr hat er sein Unternehmen Investolio gegründet, eine Plattform, auf der andere Anleger nach demselben datengetriebenen Ansatz investieren können, den er für sich selbst gebaut hat. Über dieses Interview haben wir lange gesprochen, sehr lange sogar und jetzt sitzt er endlich vor mir und ich darf nachfragen.

Was mich gleich zu Beginn interessiert hat, ist diese Selbsteinsicht. Maximilian erzählt, dass er in den ersten Jahren durchaus erfolgreich war, vor allem wenn der Markt ohnehin lief. In guten Phasen sei es ja kein Kunststück, Gewinne einzufahren. Aber er habe einen hohen psychologischen Druck verspürt, sei dauernd unsicher gewesen, nach welcher Strategie er eigentlich handelt. Und da wollte er raus. Er wollte ein System, das ihm sagt: jetzt kaufst du, jetzt verkaufst du. Stur, automatisiert, ohne Diskussion. Sich selbst aus der Verantwortung nehmen, nennt er das und ich finde, das ist eine erstaunlich ungeschönte Art, über das eigene Anlegerhirn zu reden.

Finanzielle Freiheit und die Frage nach der Zahl

Bevor wir tiefer einsteigen, habe ich ihm wie immer das eine Wort hingeworfen: finanzielle Freiheit. Für Maximilian heißt das ein Vermögen, groß genug, um mit der eigenen Zeit machen zu können, was er will. Nicht möglichst reich werden, sondern frei sein. Geld ist für ihn das Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst und Freiheit sei das Größte überhaupt. Eine konkrete Summe wollte er erst nicht nennen, weil das jeder für sich definieren müsse.

Ich habe dann doch ein bisschen gebohrt, weil er auf Instagram mal sinngemäß gepostet hatte, wer eine Million zu brauchen glaubt, solle lieber zwei haben, weil niemand weiß, was kommt. Und tatsächlich rückte er eine Zahl raus. Bei einer angenommenen Dividendenrendite von drei Prozent wären eine Million investiert am Jahresende 30.000 Euro vor Steuern. Das reicht vielleicht zum Überleben, sagt er, aber nicht für ein gutes Leben und Aktien schwanken eben stark. Also baut er den Faktor zwei ein. Zwei Millionen, das wäre für ihn persönlich der Punkt, an dem er sich zurücklehnen könnte. Ein nüchterner Betrag, wie ich finde, vor allem weil er den Puffer gleich mitdenkt, statt sich die Sache schönzurechnen.

Zwei Millionen mit einem normalen Job, das ist für einen Medianverdiener in Deutschland fast unmöglich. Und genau hier wird es interessant, denn genau aus dieser Lücke speist sich ja der ganze Markt der Strategien, der Methoden, der Versprechen. Buy and Hold, Dividenden, Trading. Wo verortet er sich da eigentlich selbst?

Zwischen Trading und Buy and Hold

Maximilian sieht sich irgendwo dazwischen. Reines Trading, vor allem Day Trading, lehnt er ab, weil es für ihn ein Vollzeitjob mit ständigem Bildschirmstarren wäre und ihm schlicht zu aufwendig ist. Wer es kann, soll es machen, sagt er, aber für ihn ist das nichts. Seine Aktien hält er im Schnitt sechs bis zwölf Monate. Das ist weit weg vom Trading, aber eben auch kein klassisches Buy and Hold, bei dem du einmal kaufst und dann jahrzehntelang nicht mehr hinschaust.

Was er stattdessen macht, beschreibt er als eine Art persönliche Mischform. Er hat sich ein konkretes Regelwerk zurechtgelegt und investiert nicht in einzelne Aktien um ihrer selbst willen, sondern in diese Strategie. Die einzelnen Titel sind nur die Bausteine, die kommen und gehen, während die Strategie über Jahre und Jahrzehnte gleich bleibt. Ich für meinen Teil bin ja ziemlich faul und mache Buy and Hold im Wortsinn, also habe ich nachgehakt, was denn das Wechselkriterium ist. Wann fliegt eine Aktie raus?

Hier kommen seine Scoring-Modelle ins Spiel, an denen er jahrelang gebaut hat. Er bewertet Aktien ausschließlich anhand von Kennzahlen, nicht anhand von Nachrichtenlage oder weichen Faktoren. Jede Aktie bekommt einen Score zwischen null und hundert Prozent, hohe Scores sind besser als niedrige, so simpel formuliert er das selbst. Fällt eine Aktie unter eine bestimmte Grenze, wird sie verkauft, egal ob er sie drei Monate oder zwei Jahre gehalten hat. Kein Grübeln, keine Bauchentscheidung. Das Regelwerk entscheidet und genau das war ja sein Ziel.

Was die Renditeerwartungen angeht, bleibt er bemerkenswert nüchtern. Der breite Markt mache langfristig seine acht Prozent, ein guter aktiver Ansatz könne darüber landen. Aber er stellt im selben Atemzug klar, dass er nicht jährlich 50 Prozent mache und ruckzuck bei zwei Millionen sei. Das sei eine langfristige Aufgabe. Diesen Satz fand ich wichtig, gerade weil der Episodentitel mit einer hohen Jahresrendite winkt. Was solche Zahlen wert sind, sobald sie jemand in die Zukunft hochrechnet, steht ohnehin auf einem anderen Blatt.

Fünf Scores, ein Depot

Auf der Plattform stehen fünf dieser Scoring-Modelle und Maximilian hat sie mir der Reihe nach erklärt. Der Trend-Score schaut, welche Aktien in den vergangenen Monaten stärker gelaufen sind als andere. Dahinter steckt der sogenannte Momentum-Effekt, der besagt, dass gut gelaufene Aktien dazu tendieren, auch weiter gut zu laufen. Ob dieser Effekt in jeder Marktphase trägt, ist eine andere Frage, aber als Ausgangspunkt für ein Modell leuchtet mir das ein.

Der Safety-Score geht in die andere Richtung und misst, vereinfacht gesagt, das Kursrisiko. Nicht die Unternehmensrisiken, betont er, sondern die Schwankungsbreite, die Volatilität. Welche Aktien schwanken weniger, welche sind in diesem Sinne ruhiger? Trend und Safety zusammen ergeben den technischen Score, hier sucht er nach Aktien mit starkem Aufwärtstrend und gleichzeitig geringem Kursrisiko. So weit bewegt er sich rein in der Welt der Charts und Kennzahlen.

Dann kommt der Value-Score und damit der fundamentale Bereich. Hier geht es um die Bewertung und die Profitabilität eines Unternehmens, also um die Frage, ob eine Aktie günstig ist und ob das Geschäft etwas taugt. Das herauszufinden sei sehr viel Arbeit gewesen, sagt er, weil es unzählige fundamentale Kennzahlen gebe und er erst einmal habe prüfen müssen, welche davon überhaupt Vorhersagekraft haben. Und schließlich der Kombi-Score, der die technische mit der fundamentalen Welt verheiratet. Aufwärtstrend, überschaubares Risiko und günstige Bewertung in einem. Wobei er selbst einräumt, dass sich das Beste aus allen Welten kaum gleichzeitig finden lässt und irgendwo Abstriche fällig werden.

Als ich gefragt habe, ob du eine Aktie, die überall auf grün und bei der Kombi auf hundert Prozent steht, denn jetzt blind kaufen darfst, hat er gleich gebremst. Gut sei das schon, aber nicht zwingend nötig, denn ein reiner Value-Investor interessiere sich eben nicht für den Trend und umgekehrt. Jeder könne seinen Schwerpunkt setzen. Viel wichtiger sei ihm ein anderer Punkt, niemals auf eine einzelne Aktie zu setzen. Die Modelle sagten nur, dass hohe Scores eine höhere Wahrscheinlichkeit verschaffen, künftig besser abzuschneiden, keine Garantie. Bei einer einzigen Aktie könne das nach hinten losgehen. Erst im Depot aus zehn Titeln greife die Statistik, dürften ein, zwei Nieten dabei sein, ohne das Ganze zu kippen. Diversifikation also, ohne die solche quantitativen Ansätze schlicht nicht funktionierten.

Wann kaufen, wann verkaufen und ab wann überhaupt

Ich wollte es konkreter haben, also habe ich gefragt, ob er sich einfach zehn Titel mit hohem Score greift, ein Jahr liegen lässt und dann mit mehr Geld in der Tasche dasteht. So einfach sei es eben nicht, sagt er und das fand ich wohltuend. Alles hänge davon ab, wie der Gesamtmarkt laufe. In einem Crash von 30 oder 40 Prozent habe er schon gewonnen, wenn sein Depot nur 20 Prozent verliere. Der Vergleich zum Markt ist für ihn der Maßstab, nicht die absolute Zahl. Und er kauft eben nicht und schaut zwölf Monate weg, sondern prüft regelmäßig, ob die Scores noch halten.

Konkret nennt er ein Beispiel aus einem seiner Depots. Sein liebstes Modell ist der Trend-Score, weil er dort seine ersten Strategien entwickelt hat und davon schwer wieder loskommt. Er kauft also die Aktien mit dem höchsten Trend-Score, verlangt aber gleichzeitig einen Safety-Score von mindestens 50 Prozent als Filter gegen zu viel Risiko. Verkauft wird, wenn der Trend-Score unter 60 oder der Safety-Score unter 40 Prozent fällt. So bleibe der Umschlag im Depot überschaubar und er müsse nicht ständig handeln. Praktisch heißt das: einmal die Woche reinschauen, ob Anpassungen nötig sind. Eine automatische Benachrichtigung gibt es bewusst nicht, weil ihn das nur wieder hektisch machen würde und sein erklärtes Ziel ist ja gerade, den Aufwand zu senken.

Wie viele Aktien er insgesamt hält? Eine Strategie für Deutschland umfasst zehn Titel, eine für Europa dreißig und über alle Depots hinweg liegt er bei etwa 60 bis 70 Aktien. Eine erstaunlich übersichtliche Zahl, ich habe schon deutlich wildere Depots gesehen. Und ich habe natürlich auch die Frage gestellt, ab wann sich das überhaupt lohnt. Für Maximilian gibt es eine klare Untergrenze: mindestens 10.000 Euro, weil er mindestens zehn Aktien zu je 1.000 Euro für eine vernünftige Streuung hält. Darunter sei der ETF die bessere Wahl. Aber das Kapital ist nur die halbe Miete. Die andere Frage, die sich jeder selbst stellen müsse, laute, ob er tatsächlich in der Lage ist, den Gesamtmarkt zu schlagen. Wer das nicht aufrichtig mit Ja beantworten kann, solle beim ETF bleiben. Diese Selbstprüfung verlangt er sogar von potenziellen Kunden und das nehme ich ihm ab.

Der Track Record und die Frage dahinter

An dieser Stelle wird ein Interview heikel, denn jeder kann viel erzählen, solange ihm keiner auf die Finger schaut. Also habe ich auf den Track Record gezielt, konkret auf Wikifolio. Dort ist Maximilian seit Mitte 2016 dabei und kommt nach eigenen Angaben auf eine Performance von knapp 200 Prozent, was er als besser einordnet als DAX und Nebenwerteindizes. Dazu seien die auf Investolio veröffentlichten Strategien Echtgeld-Depots, deren erste er im April vergangenen Jahres online stellte. Rückblickend, gibt er selbst zu, ein sehr guter Zeitpunkt, weil die Märkte danach gut liefen. Trotzdem hätten alle veröffentlichten Strategien ihre jeweilige Benchmark geschlagen.

Ich will diese Zahlen weder feiern noch zerreden. Knapp 200 Prozent über mehr als fünf Jahre klingt nach viel, sagt für sich genommen aber wenig, solange unklar bleibt, was der Markt im selben Zeitraum gemacht hat und wie tief die Täler dazwischen waren. Maximilian betont das ja selbst, die Outperformance gegenüber der Benchmark sei das Entscheidende, sonst wäre das ganze Modell witzlos. Genau dieser Vergleichsmaßstab ist der richtige und es spricht für ihn, dass er ihn von sich aus anlegt, statt nur mit der großen runden Zahl zu wedeln. Ob ein günstiger Startzeitpunkt und ein paar gute Börsenjahre schon ein erprobtes System belegen, lässt sich erst über einen vollen Zyklus mit einem ordentlichen Crash beurteilen. Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt und das gehört in den Hinterkopf, bevor du dich von einer Renditezahl im Titel mitreißen lässt.

Für wen das taugt und was es kostet

Zum Schluss die nüchternen Dinge. Investolio kostet 39 Euro im Monat oder 390 im Jahr und Maximilian rechnet das selbst durch. Bei 5.000 Euro Anlagesumme holst du diese Kosten nicht wieder rein, bei 20.000 Euro sind es rund zwei Prozent im Jahr, die eine etwaige Outperformance erst einmal überspringen muss. Zwei Wochen lang kannst du kostenlos testen und in dieser Zeit ohne Kosten kündigen. Wer den Code finanz-illuminati nutzt, bekommt zusätzlich 20 Euro Rabatt auf die erste Zahlung. Geeignet sei das Ganze für Leute mit mindestens 10.000 Euro, die Lust haben, sich in einen neuen Ansatz einzuarbeiten, denn ohne Verständnis kein Vertrauen. Wer nur eine halbe Stunde draufschauen und dann blind kaufen wolle, sei hier falsch. Zu jedem Score und jeder Kennzahl gibt es ausführliche Videokurse, insgesamt rund 15 Stunden Material, damit niemand sich auf eine Black Box verlassen muss.

Sein Schlusswort drehte sich passenderweise weniger um die Plattform als um die Haltung dahinter. Nimm den Gedanken zwischen aktivem und passivem Investieren mit, frag dich selbst aufrichtig, ob du eine höhere Rendite erzielen kannst und schau dir die eigene Performance einmal nüchtern an. Und wenn du dich für eine Strategie entscheidest, dann bleib auch dabei und lass dich nicht von psychologischen Faktoren treiben, weil genau das am Ende die meiste Rendite koste. Das ist ein Satz, dem ich vorbehaltlos zustimme, ganz gleich, ob du am Ende nach Scores investierst oder, so wie ich, einfach faul liegen bleibst.

Mehr Gespräche dieser Art findest du in den Investoren-Interviews.

Wie hilfreich war dieser Artikel?

Deine Meinung hilft mir, bessere Inhalte zu schreiben.

Wähle eine Bewertung aus, um Feedback zu hinterlassen.

Noch mehr lesen

Bei jedem Besuch eine andere Auswahl aus dem Bestand.

Alle Artikel ansehen →

Mit Herzblut recherchiert, für deine finanzielle Freiheit.