Mit 21 Jahren Gründerin, Investorin und Unternehmerin

Liebe Leser, heute lernt ihr Isi kennen. Isi ist Studentin, Gründerin und Investorin. Und das alles mit nur 21 Jahren. Wie Isi investiert und sich für ihre…

Gründerin und Investorin - Interview mit Isi von Isi Finance

Isi ist 21, studiert International Management und hat mit ihrem Bruder und ihrer Schwester ein Startup gegründet. Viele kennen sie über ihren Kanal Isi Finance. Im Finanz-Illuminati-Podcast hat sie erzählt, wie sie investiert, wie ihr Familiendepot aufgebaut ist und welche Fehler sie Anfängern an der Börse ersparen würde. Wir kennen uns von Instagram, dort sind wir schon eine Weile im Austausch.

Gründerin mit 21 und der Weg zur Börse

Zur Börse kam Isi über ihren Vater und ihren Bruder. Der Vater investiert seit Jahrzehnten, der sieben Jahre ältere Bruder fing früher an als sie selbst. Sonntags beim Essen war das Thema immer präsent. „Es war nicht so, dass die mich dazu gezwungen haben”, sagt sie. Irgendwann beschäftigte sie sich selbst damit und entschied, auch anzufangen. Die Familie half beim Einstieg.

Das Studium absolviert sie am Wochenende, weil unter der Woche keine Zeit bleibt. Werktags arbeitet sie im Startup, das die drei Geschwister vor knapp vier Jahren gegründet haben. Nach dem Abitur stieg sie voll ein, vorher hatte sie schon mitgearbeitet.

Die Firma bewegt sich im Bereich Gewerbeimmobilien. Sie betreibt eine Datenbank mit den wichtigen Bürogebäuden in ganz Deutschland: Eigentümer, Mieter, Baujahr, Verkehrswerte. Dazu kommen eine eigene Plattform und eine eigene App. Der Schwerpunkt liegt auf den A-Städten Frankfurt, München, Stuttgart und Düsseldorf. Das Unternehmen kooperiert mit einer Private-Equity-Firma aus Frankfurt, die selbst Büroimmobilien hält und für die Daten zu Kaufpreisen und Verkehrswerten wertvoll sind.

Den Bezug zu Immobilien gab es in der Familie ohnehin schon, sie besitzt eigene Büro- und Wohnimmobilien. Das Startup baut dieses Wissen digital aus.

Warum sie auf YouTube und Instagram angefangen hat

Den Anstoß für YouTube gaben Freunde, die ihr sagten, sie könne Themen gut erklären und habe vor der Kamera keine Scheu. Dazu las sie ein Buch über die Bedeutung digitaler Reichweite. Beim Überlegen, was sie erzählen könnte, kam sie zu dem Schluss: „Ich bin junges Mädchen, ich kenne mich mit Finanzen aus.” Genau das sei bei jungen Menschen selten. Statt das Wissen für sich zu behalten, wollte sie es weitergeben. Gestartet ist sie 2020, eher als Experiment.

Ihr Argument für das Format: Wenn ein junger Mensch erzählt, wie er es gemacht hat, klingt das nahbarer als ein Professor mit dreißig Jahren Börsenerfahrung. „Wenn die das kann, dann kann ich das auch”, beschreibt sie die Reaktion, die sie auslösen will. Von einem 50-Jährigen nehme sie auch viel mit, doch die eigene Umsetzung traue sie sich eher zu, wenn es jemand auf Augenhöhe vormacht.

Den gleichen Gedanken habe ich zuletzt in zwei anderen Finanz-Podcasts gehört. Beide kamen auf denselben Punkt: Du brauchst einen Menschen, mit dem du dich identifizieren kannst. Der ältere Experte ist nicht automatisch der bessere Lehrer.

Den YouTube-Kanal von Isi Finance * findest du hier, zum Instagram-Account * geht es hier entlang.

Das Feedback ist nach ihren Worten größtenteils positiv. Auf Instagram baute sie in rund drei Monaten unerwartet schnell Reichweite auf, auf YouTube lag sie zum Zeitpunkt des Gesprächs bei knapp 400 Abonnenten. Kritik nimmt sie eigenen Angaben nach gern an, weil sie sich verbessern will. Die Reaktionen unterscheiden sich nach Alter. Gleichaltrige zwischen 19 und 21 schauen ihre Videos, setzen aber wenig um. Schnell fällt der Satz: „Du bist doch erst 21, wieso beschäftigst du dich jetzt schon damit.” In Richtung 30 dreht sich das. Diese Bekannten investieren selbst und finden gut, dass sie so früh anfängt.

Die drei größten Fehler an der Börse

Zum Aufwärmen sollte Isi in 60 Sekunden die drei größten Fehler an der Börse nennen. An erster Stelle stehen für sie Panikkäufe und vor allem Panikverkäufe. Anfänger sehen rote Zahlen und werfen alles hin. Wer mit diesem Druck nicht klarkommt, für den sei die Börse womöglich nichts. Sie spricht damit aus, dass das Investieren nicht zu jedem passt.

Zweitens das Adaptieren von anderen ohne eigenes Wissen. Nur weil jemand im Internet eine bestimmte Vorgehensweise empfiehlt, müsse niemand sie ungeprüft übernehmen. Sich trotzdem eigenes Wissen anzueignen, sei ihr immer ganz wichtig, betont sie. Das Thema spreche sie auch auf ihrem Kanal an.

Drittens die Gier. Wer einen Glücksgriff gelandet hat und sieht, dass es läuft, wird übermütig und investiert blind ins nächste Ding. Ihr Rat dagegen: rational denken, ein ruhiges Gemüt bewahren und mit Weitblick vorgehen.

So ist das Familiendepot aufgestellt

Bei den Depots trennt Isi mehrere Ebenen. Es gibt ein Firmendepot, jedes Familienmitglied hat ein privates Depot und darüber hinaus existiert ein gemeinsames Familiendepot. Letzteres deckt praktisch alle Anlageklassen ab, der Schwerpunkt liegt auf Immobilien. Dazu kommen Kryptowährungen mit Bitcoin und Ethereum sowie physisches Gold und Silber.

Organisiert ist das nach Schwerpunkten. Der Vater kennt sich mit Edelmetallen und Rohstoffen aus, der Bruder ist nach ihren Worten ein „Crypto-Freak”. So ergänzen sich die Familienmitglieder. Wissen baut sie trotzdem auch über die eigenen Bereiche hinaus auf, etwa über Seminare und Bücher.

P2P-Kredite laufen bei ihnen als Beimischung, um Geld zu parken, auf großen Plattformen wie Mintos. Sie betrachten das als eine Art besseres Tagesgeldkonto und holen das Geld wieder heraus, wenn sich bessere Investitionschancen bieten. Was P2P ist und wie es funktioniert, ordne ich in meiner Übersicht zu nützlichen Apps und Tools ein.

Bei der Aktienzahl bleibt die Familie diszipliniert. Sie beschränkt sich auf 15 bis 25 Aktien, aktuell rund 20 Dividendentitel aus verschiedenen Branchen, die kontinuierlich bespart werden. Bei den ETFs ist immer ein weltweit abdeckender dabei, ergänzt um ein bis zwei Themen wie Robotik.

Privat läuft es bewusst ruhig

Ihre persönliche Strategie hat Isi von der Firma getrennt. Privat laufen Sparpläne in Aktien und ETFs, stur und langfristig, mit Blick auf die Altersvorsorge. Mit großen Summen kann sie nicht investieren. Sie hat kein Erbe. Das Geld, das sie anlegt, hat sie sich seit dem Alter von 14 selbst erarbeitet, mit Putzjobs und damit, bei Douglas Geschenke einzupacken.

Firmenseitig wird aktiver gehandelt, mit Stops und gelegentlich short. Privat verzichtet sie darauf. Da läuft es breit gestreut weiter, für den Ruhestand und die finanzielle Unabhängigkeit.

Crash, Corona und konkrete Aktien-Ideen

Das Interview entstand kurz nach dem Ausbruch des Coronavirus, parallel lief ein Ölpreiskrieg. Das hat ihr Depot getroffen, doch sie schaut nach eigenen Worten nicht täglich darauf und verfällt nicht in Panik. Sie ordnet die Lage über Angebots- und Nachfrageschock ein und hält es bei drohender Inflation für wichtig, in Sachwerte wie Aktien zu investieren. Fallende Kurse sieht sie als Chance, ohnehin interessante Werte günstiger einzusammeln. „Das mache ich jetzt noch 40 Jahre”, sagt sie über ihre Sparpläne, deshalb kaufe sie aktuell nach.

Nach konkreten Aktien habe ich sie gefragt, ausdrücklich nicht als Empfehlung, sondern als Idee. Aus der Krise gingen vor allem digital gut aufgestellte Unternehmen gestärkt hervor. Die FANG-Aktien hält sie weiter für interessant, dazu Konsum und Pharma, namentlich Coca-Cola und Procter & Gamble. Amazon nennt sie als klaren E-Commerce-Profiteur, schränkt aber ein, dass das kein heißer Tipp mehr sei, weil es jeder kenne. Zoom führte sie als Homeoffice-Gewinner an und die Reisebranche als möglichen Turnaround-Kandidaten, falls sich die Lage entspannt.

Das ist eine Momentaufnahme aus dem Frühjahr 2020 und keine Kaufliste. Was daraus folgt, entscheidet jeder selbst.

Ihr größtes Learning passt dazu. Der Crash war der erste, den sie bewusst miterlebt hat. Er hat sie darin bestärkt, an der Strategie festzuhalten und nichts zu überstürzen. Einen großen Fehler habe sie bisher nicht gemacht, was sie darauf zurückführt, viel von Vater und Bruder gelernt zu haben.

Mehrere Konten, mehrere Broker und die Tools

Isi arbeitet bewusst mit mehreren Konten. Fixkosten trennt sie von Investments und von Konsumausgaben wie Essengehen oder Kleidung. Als Anbieter nennt sie N26, Comdirect * und ihr Sparkassenkonto. Das Mehrkontensystem hält sie für hilfreich, weil es die Bereiche sauber voneinander abgrenzt. Eine Übersicht dazu findest du in meinem Depot- und Konten-Vergleich.

Bei den Brokern verfährt sie nach demselben Prinzip. Der Firmenbroker ist Interactive Brokers, privat laufen Comdirect, Trade Republic * und Consorsbank. Verteilt wird nach Stärke: wo welche Aktien gut handelbar sind und welche ETFs sich kostenlos besparen lassen.

Bei den Tools setzt die Familie auf DivTimer, eine App, die anzeigt, wann eine Dividende in welcher Höhe ansteht, dazu Klassiker wie den Aktienfinder. Ihr eigentlicher Punkt: Wer eine solide Aktie mit verlässlicher Dividende sucht, mache mit Coca-Cola oder Procter & Gamble selten viel falsch und müsse sich nicht stundenlang durch Kennzahlen arbeiten.

Auch Instagram ist für sie zur Ideenquelle geworden. Den ein oder anderen Wert hat die Familie dort aufgeschnappt und nach eigener Prüfung ins Depot geholt. Dazu kommen kostenpflichtige Börsendienste, bei denen bekannte Profis ihre Meinung und Musterdepots veröffentlichen. Blind nachkaufen wäre falsch, doch als zusätzliche Sicht habe sich das für sie gerechnet.

Bücher, YouTube und das letzte Wort

Die Klassiker kennt sie, etwa die Rich Dad Poor Dad *-Bücher. Sie findet aber, dass viele Bücher dieselben Grundlagen wiederholen. Ihr eigentliches Wissen zur aktuellen Lage und zu konkreten Praktiken zieht sie eher aus YouTube und Podcasts. Die Grundlagen kämen aus den Büchern, die Anwendung aus dem Austausch. Deshalb kann sie kein einzelnes Buch besonders hervorheben.

Wenn ich Expertenmeinungen und echte Depots an einem Ort sehen will, greife ich gern auf Wikifolio * zurück. Das ist nicht kostenlos, aber vielleicht für den ein oder anderen von euch eine Idee.

Zum Schluss bekam Isi das letzte Wort. Sie betonte, dass jede Meinung unterschiedlich sei und jeder die Dinge etwas anders sehe. Genau deshalb lohne es sich, viele Stimmen zu hören. Ein zweites Gespräch nach dem Crash, um die Zeit Revue passieren zu lassen, hat sie in Aussicht gestellt.

Mehr Gespräche dieser Art findest du in den Investoren-Interviews.

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